Recap: Brains on Silicon 2026 Dresden mit NFON & Botario
Anthropic, OpenAI und NVIDIA auf der Bühne, Richard Socher per Video aus dem Silicon Valley zugeschaltet: Die zweite Brains on Silicon hat am 14. und 15. September 2026 gezeigt, dass Dresden für KI-Konferenzen inzwischen internationale Namen anzieht. Das Motto lautete „Closing the Implementation Gap“. Gemeint ist die Lücke zwischen dem, was KI kann, und dem, was davon in Unternehmen tatsächlich läuft.
Am Stand von NFON und der Zöllner Büro- & IT-Systeme GmbH ging es genau um diese Lücke, allerdings mit einem sehr bodenständigen Anwendungsfall: dem Telefon. Und mit einer Frage, die Besucher häufiger stellten als jede andere: Wo landen meine Daten, wenn ein Voicebot meine Anrufe annimmt?
Das Programm im ICD: vier Bühnen, zwei Tage
Den ersten Tag eröffneten Sachsens Staatsminister Dirk Panter, Thuy-Ngan Trinh von A11 und Roman Howe, der bei Anthropic die Region DACH und Osteuropa verantwortet. Danach sprachen unter anderem Stephan Ilaender von STACKIT, Jonas Rashedi von FALKE, Pierre Tempel von GitHub und Dr. Daniel Dobos von AI for Good. Richard Socher (You.com) stellte sich im Videointerview den Fragen von Jakob von Lindern, Redakteur bei der ZEIT.
Am zweiten Morgen erklärte Sarah Kemether, die bei OpenAI im Go-to-Market arbeitet, wie Firmen KI einführen, ohne sich monatelang in Grundsatzdebatten zu verlieren. Später folgten Roland Eisenbrand (OMR), Elisabeth L'Orange vom Podcast Tech & Tales, Stefan Wolk von der Fielmann Group und Maria Patelkou Konijnenberg von NVIDIA.
Beim Startup Contest traten 13 junge Firmen an, die drei mit den meisten Communitystimmen kamen ins Finale auf der Hauptbühne. Gewonnen hat die Raqid GmbH, der Preis: Anthropic Credits im Wert von 5.000 Euro. Den Schlusspunkt setzte Philipp Klöckner vom Doppelgänger Podcast mit seiner Keynote „Beyond the AI Hype“.
Digitale Souveränität: Behörden und Chipindustrie fragen genau nach
Auf den Bühnen dominierten Agentic Workflows, Physical AI und große Sprachmodelle aus den USA. An den Ständen klang es anders. Peter Gemander, der für Zöllner als Entwicklungspartner neben NFON ausstellte, beschreibt es so: Bei den Besuchern lag der Fokus auffällig oft auf digitaler Souveränität. Besonders Teilnehmer aus der öffentlichen Verwaltung und aus der Halbleiterbranche wollten wissen, wer ihre Gesprächsdaten verarbeitet und wo.
Für Dresden überrascht das kaum. Wer in einem Chipwerk arbeitet oder im Rathaus Bürgeranfragen bearbeitet, kann Telefonate nicht einfach durch irgendeinen Cloudserver schicken.
NFON hat hier ein Argument, das Peter Gemander bewusst nach vorn stellt: Das Unternehmen ist seit 2007 am Markt und war von Anfang an ein deutsches Unternehmen. Die KI dazu kommt von Botario. Den Bremer Spezialisten für Sprachverarbeitung hat NFON 2024 übernommen, seine KI-Kompetenz entsteht laut Peter Gemander bereits seit 2019 in Deutschland.
Botario: Das Sprachmodell wählt der Kunde
Das Detail, über das am Stand am meisten gesprochen wurde, klingt technisch, hat aber praktische Folgen. Die Botario-Plattform arbeitet anbieteragnostisch. Zöllner baut die Anwendung innerhalb der Plattform, also etwa einen Telefonbot für wiederkehrende Kundenanfragen. Mit welchem Sprachmodell dieser Bot später arbeitet, entscheidet der Endkunde selbst.
Wer heute ein US-Modell nutzt und morgen auf ein europäisches wechseln will, muss dafür nicht die ganze Lösung neu bauen. Für die Besucher aus Verwaltung und Industrie war das der entscheidende Punkt.
NFON selbst zeigte, wie AI Bots und AI Agents Anfragen automatisieren, die jeden Tag in gleicher Form ankommen: Öffnungszeiten, Terminwünsche, Statusabfragen. Zöllner brachte Beispiele aus Projekten mit, die bereits umgesetzt sind. Die Gespräche drehten sich dann schnell um die eigentliche Abgrenzung: Welche Aufgaben kann der Bot übernehmen, und an welcher Stelle muss weiterhin ein Mensch ans Telefon?
„Schuster, bleib bei deinen Leisten“
Peter Gemander hat nach der Messe einen Satz über seinen Beitrag gestellt, der bei einer KI-Konferenz fast trotzig wirkt. Zöllner macht seit über 20 Jahren Telekommunikation. Früher installierte das Team klassische Telefonanlagen aus Hardware, heute verbindet es Cloudtelefonie mit KI-Funktionen. Der Anspruch sei derselbe geblieben: „Wir müssen verstehen, was wir unseren Kunden empfehlen, und dafür geradestehen.“
Dazu gehört für ihn der ganze Weg. Beraten, eine Lösung entwickeln, sauber installieren und danach als Servicepartner erreichbar bleiben. Zöllner hat eigene Programmierer im Team und entwickelt Schnittstellen selbst. KI hilft dabei, ersetzt bei Zöllner aber keinen Entwickler.
Peter Gemander kennt die Gegenposition gut. Manche fragen ihn, warum er überhaupt noch ein ERP oder CRM nutze, das könne man sich doch mit KI schnell selbst bauen. Seine Antwort borgt er sich bei einem genervten Garten- und Landschaftsbauer: „Nur weil ich weiß, dass das Grüne nach oben gehört, bin ich noch kein Gärtner.“
Welche KI-Funktionen Zöllner einsetzt, richtet sich nach dem Nutzen im Alltag, nicht nach dem Trend der Woche. Sein Beispiel ist unspektakulär und gerade deshalb überzeugend: eine Transkription von Telefonaten, die im Büro tatsächlich Arbeit spart. „Und weil ich an Tugenden und Handwerk glaube“, schreibt Peter Gemander.
Häufige Fragen zur Brains on Silicon 2026
Wann und wo fand die Brains on Silicon 2026 statt?
Am 14. und 15. September 2026 im Internationalen Congress Center Dresden (ICD). Es war die zweite Ausgabe der Konferenz für angewandte KI.
Wer hat den Startup Contest gewonnen?
Die Raqid GmbH setzte sich gegen zwölf andere Startups durch und erhielt 5.000 Euro in Anthropic Credits.
Was ist Botario?
Eine KI-Plattform für Sprachverarbeitung und automatisierte Kundenkommunikation, etwa für Voicebots und Transkription. Botario sitzt in Bremen und gehört seit 2024 zur NFON AG.
Was bedeutet „anbieteragnostisch“ bei einem Voicebot?
Die Anwendung ist nicht fest an ein bestimmtes Sprachmodell gebunden. Der Kunde entscheidet, welches LLM im Hintergrund arbeitet, und kann später wechseln.
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